Erklärung des Fachbereichsrats zum Tod von Aamir Ageeb
KSFH
München, Fachbereitsrat Soziale Arbeit, 11.05.2000
Erklärung
des Fachbereichsrats zum Tod von Aamir Ageeb
Katholischen
Stiftungsfachhochschule München, Abteilung München
Der Fachbereichsrat Soziale Arbeit
der Katholischen Stiftungsfachhochschule Abteilung München erinnert mit Trauer
an den 1. Jahrestag des Todes des Sudanesen Aamir Ageeb am 28.05.2000.
Aamir Ageeb war abgelehnter Asylbewerber,
mit einer Deutschen verheiratet, inzwischen von ihr getrennt, und wurde daher
ausgewiesen. Beim Versuch der zwangsweisen Abschiebung in den Sudan starb Ageeb,
der, um seinen Widerstand zu brechen, gefesselt war und einen Motorradhelm auf
dem Kopf hatte, als BGS-Beamte beim Start des Flugzeugs seinen Kopf nach unten
drückten.
Seit der Verschärfung des Asylrechts
gibt es kaum noch Grenzen fiir Abschiebungen. Auch in Bürgerkriegsländer und
Katastrophengebiete, in Staaten, in denen Folter und extralegale Hinrichtungen
(wie im Sudan) üblich sind, wird abgeschoben.
Zwar hat das Bundesinnenministerium
mit Erlaß vom 25.06.1999 eine Reihe bislang verwendeter Abschiebepraktiken verboten.
So dürfen keine lntegralhelme, keine mundverschließenden Hilfsmittel, keine
Klebebänder im Gesicht und keine atmungsverhindernden Abpolsterungen mehr verwendet
werden. In Kürze soll aber ein neuer Helm erprobt werden, der die Erstickungsgefahr
reduzieren soll. Probleme bei der Abschiebung werden also auf rein technischem
Weg gelöst.
Wir sind entsetzt, daß Menschen
sterben müssen (Ageeb war nicht der erste), die sich aus Angst vor der Abschiebung
in ein gewalttätiges Land wehren.
Soziale Arbeit hat u.a. die Aufgabe,
sich um Menschen in Not zu kümmern. Aamir Ageeb wird nicht wieder lebendig.
Sein Schicksal sollte uns aber Verpflichtung sein, alles zu tun, um in Zukunft
den gewaltsamen Tod von Menschen bei Abschiebungen zu verhindern.
Wir unterstützen die Gedenkveranstaltung
zum 1. Todestag von Aamir Ageeb am 28.05.2000
gez.
Prof. Andreas Hutter
Dekan
25.05.2000